Saturday, May 28, 2011

Alain de Botton: The Architecture of Happiness

Was habe ich bei diesem Buch geflucht! Nicht etwa wegen des Inhalts (dazu komme ich später), sondern wegen der furchtbaren Bindung dieser Penguin-Ausgabe von 2007. Es ist die pure Ironie, denn in de Bottons Buch geht es um Design und wie es dem Menschen und seinen Gewohnheiten entgegen kommen muss. Diese Ausgabe ist so stramm und unflexibel gebunden, dass man sie im Grunde gar nicht lesen kann. Ich muss ein Buch auf den Tisch legen, eine beliebige Seite aufschlagen, dann ein Glas Tee in der einen Hand und die Seiten mit der anderen Hand umblättern können, ohne dass das Buch sich von alleine umblättert oder gar zusammenklappt, wenn man nicht beide Hände dran hat oder die Deckel und Seiten durch schwere Gegenstände fixiert. Man kann dieses Buch nicht auf einen Tisch legen, ohne dass es zusammenklappt. In meiner Rage habe ich irgendwann angefangen, den Buchrücken zu brechen, nur damit ich lesen kann. Eine Schande. Eine unglaubliche Fehlentwicklung. Auch de Botton sieht das so ähnlich und hat mir auf seinem Facebook-Profile geantwortet "I [...] agree that the UK edition suffers, but only because the book is sewn rather than glued together." Aber nun zum Inhalt, denn der hat mich doch versöhnt....

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Sunday, January 30, 2011

Sven Regener: Neue Vahr Süd

Ich habe die 630 Seiten des Goldmann Taschenbuchs in einem Ruck durchgelesen. Äußerst unterhaltsam und sehr sympathisch. Man wünscht sich, alle Menschen wären wie Frank Lehmann. So Scheißegal-Typen mit Herz und Gewissen. Man kann sich von dieser friedlichen Radikalität, dem Beharren auf Prinzipien, dem Sich-Selbst-Treu-Bleiben eine Scheibe abschneiden.

Daher kommt die Komik ins Buch: Lehmann ist sympathisch, um sich selbst kreisend und absolut uninteressiert am Wahnsinn dieser Welt. Trotzdem kollidiert er ständig mit den absurden Zumutungen, die Eltern, Freunde und vor allem das Militär an ihn herantragen. Dabei verstrickt er sich dann in die Schicksale von Menschen, denen er hilft. Dabei geht es ihm nie um die Sache, sondern nur um das Individuum, mit dem er es zu tun hat. Er ist ein Menschenfreund und kein Menschheitsfreund.

Tuesday, December 21, 2010

Jonathan Franzen: Freedom

Geniales Buch mit ärgerlichem Aufkleber
Mein Buch des Jahres 2010! Nach den Corrections ein neuer Genie-Streich Franzens! Einmal zur Hand genommen, konnte ich das Buch nicht wieder weglegen. Dieses Buch ist komplex wie das Leben, äußerst modern in seinen Themen und dabei ganz klassisch und mit viel Spannung erzählt.

Es geht um das Zusammenleben der Generationen, ihre Missverständnisse, die brutale Undankbarkeit von Kindern ihren Eltern gegenüber und die Unfähigkeit der Eltern erwachsen zu sein, eine Rolle zu finden. Die Flucht vor Beziehungen auf der einen und der Freiheitsentzug durch die gesellschaftlich forcierten Beziehungen auf anderen Seite sind die Pole, zwischen denen alle haltlos hin und her driften. Hinzu kommt der Hunger nach Verwirklichung der eigenen Ideale und die Verwirrung über die Werthaltigkeit dieser Ideale. Natürlich geht es auch um Sex und Macht und Anerkennung.

Wenn von Freiheit geredet wird, verstrickt man sich in Klischee und Widerspruch. Natürlich sind die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in die man sich als soziales Wesen begeben muss, von Unfreiheit geprägt. Die Politik, die Pop-Kultur und die Ökonomie des Kapitalismus verlangen Flexibilität und nennen es Freiheit. Ich will gar nicht weitermachen und hier irgend welche Bruchstücke einer Philosophie der Freiheit präsentieren. Franzen arbeitet an diesem Thema ziemlich subtil und doch politisch. Franzen sagt zum Begriff Freiheit:

"Es ist möglich, dass du freier bist, wenn du akzeptierst, was du bist und einfach als die Person weitermachst, die du eben bist, anstatt diese ungebundene Idee von 'Ich kann sein, was immer ich will', diese 'falsche Freiheit' aufrecht erhältst."

Ich bin immer fasziniert, wenn jemand das Sowohl-als-auch unserer Welt akzeptiert und wenigstens die Courage hat, einzelne Fäden dieses verwirrenden Geflechts genauer anzusehen, ohne darüber verrückt zu werden, dass die Sache in ihrer Gänze nicht verstanden werden kann.

Saturday, August 28, 2010

Edward Abbey: The Monkey Wrench Gang und Hayduke Lives

Die Monkey Wrench Gang ist ein Öko-Terrorismus-Roman zum totlachen und mitfiebern. Abbey ist ein Meister im Entwickeln sympathischer und lebensgroßer Karikaturen von Menschen. Seien es die Gang-Mitglieder: die schöne Bonnie Abbzug, der Mormone Seldom Seen Smith, der Outlaw und Survivour Hayduke und der geldgebende Arzt Sarvis. Oder ihre Gegenspieler und hier besonders Bishop Love, der für die wirtschaftlich-industrielle Erschließung der Wüste kämpft. Die Gang versucht eben diese Erschließung zu verhindern oder sogar rückgängig zu machen, wie im Falle des großen Hoover-Dammes, den sie zu sprengen gedenken. Am Ende wird es nicht mehr als ein symbolischer Akt mit Farbbomben. Aber immerhin. Schaden haben sie doch genug angerichtet, indem sie Bulldozer und Förderbänder lahm gelegt haben und Brücken zerstört. Am Ende kommt es zum großen Show-Down in der Wüste. Love und seine Truppen erschießen - so meint man jedenfalls - den Outlaw und vermeintlichen Bandenführer Hayduke.

Wie wir Dank des Nachfolgeromans Hayduke Lives wissen, ist es wieder nicht gelungen, Hayduke an den Kragen zu gehen. Er ist eine Art Houdini, ein Phantom beinahe und kennt jeden Stein, jedes Wasserloch in der Wüste. Hayduke Lives ist ein langes Portrait der Hippie- und Öko-Bewegung. Sehr interessant und amüsant, aber lange nicht so spannend und Action geladen wie der erste Teil.

Ich frage mich, warum Die Monkey Wrench Gang nicht Teil meiner Lektüre war, als ich 18 war. Mein Leben hätte einen ganz anderen Weg nehmen können. Jetzt, da ich doppelt so alt bin, fällt es schwerer, die Wut und Freude, die Radikalität und Liebe einzuverleiben, für die man als Jugendlicher viel empfänglicher ist.

Wo hattet ihr dieses Buch versteckt, ihr verdammten Erwachsenen? Wozu seid ihr Lehrer und Professoren, wenn ihr diese Lektüre euren Kindern nicht zugänglich macht? Gebt Die Monkey Wrench Gang euren Kindern, bevor diese Welt den Bach runter geht. Schickt sie in die Wüste. Lasst sie lesen, sehen, leben und lieben.

Saturday, February 27, 2010

Sven Regener: Der kleine Bruder

Wie Herr Lehmann ist auch der zweite Teil der Trilogie sehr unterhaltsam. Obwohl ich nie in jener Zeit an jenem Ort gelebt habe, kam mir alles sehr bekannt vor, bis hinein in die Figuren. Wir kennen sie alle, diese Kneipen-Besitzer, die ganz genau wissen, wie sie ihr Geld zusammenhalten. Meine Vergleichsperson dazu waren die Besitzer des Roten Salons in Berlin. Total paranoide Typen, die jedem mistraut haben. Oder diese etwas stereotyp dargestellten Punks. Super erzählt, witzig, besonders die Dialoge. Nun muss ich nur noch den dritten Teil Neue Vahr Süd lesen.

Sunday, February 7, 2010

Annie Proulx: Bad Dirt. Wyoming Stories 2

Eine weitere Sammlung von Kurzgeschichten aus Proulx' Trilogie Wyoming Stories. Äußerst lesenswert für alle, die wie ich besessen vom ländlichen Leben und harten Wintern in den USA sind. Die Geschichten sind oft skurril, brutal oder einfach nur verrückt, denn sie handeln von skurrilen, brutalen und verrückten Menschen. Wären die Geschichten nicht so menschlich und beispielhaft für die allgenenwärtige Tragödie, die wir das Leben nennen, dann könnte man fast sauer darüber sein, wie gemein Proulx zu ihren Figuren mitunter ist. Aber die gute Nachricht ist eben: Man könnte solche Stories über jeden Teil der bewohnten Welt schreiben.

Tuesday, February 2, 2010

Jack Kerouac: Dharma Bums

Ich bin und wahr schon lange ein absoluter Kerouac-Fan. Natürlich nicht von ungefähr. Dharma Bums fängt an, wie eine Geschichte von Jack London: auf einem Güterzug. Und in dieser Tradition des Landstreichers (Bum) geht es durch das ganze Buch. Es werden Frauen und Berge bestiegen und dem Buddhismus gehuldigt. Das wird dann oft sehr abgefahren und - besonders wenn es um Buddhismus geht - mir sehr unzugänglich. Wenn es um Berge, Wanderungen und die Liebe geht, ist es hingegen sehr gegenständlich und äußerst lustig. Der Erzähler berichtet immer aus einer naiven Distanz, die dem Gesagten jeden heiligen Ernst abspricht. Dann wiederum ist es Kerouac so wie schon bei On The Road natürlich äußerst ernst, wenn es ums Ganze geht.